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May 26 2010

Die unendliche Geschichte: Datenschutz und Facebook

Nachdem das Wall Street Journal über Facebooks personalisierte Werbung berichtete, bei der es möglich ist, den User, der auf die Werbung geklickt hat, persönlich zu identifizieren, reagiert Mark Zuckerberg mit einem Beitrag in der Washington Post.

Er spricht insgesamt von der Idee, dass Facebook dazu beitragen solle, die Welt offener zu machen und helfen sollte, Menschen zusammenzubringen. Das klingt im ersten Moment natürlich sehr edel, für so manchen Datenschützer mehr als zynisch.

Insgesamt spricht Zuckerberg von einem Fehler, aus dem man lernen möchte. Und so ist geplant in den kommenden Wochen die Privatsphäre – Einstellungen deutlich zu vereinfachen. Eigentliches Ziel war es, den Benutzern möglichst vielseitige Möglichkeiten zu geben, ihre Daten zu schützen. Das ist gewissermaßen gelungen. Denn wer aktuell mal in seine Facebook – Einstellungen schaut, der findet 5 verschiedene Einstellungskategorien, die sich dann in immer kleinere Kategorien aufteilen. Das ermöglicht tatsächlich sehr individuelle Einstellungen hat aber auch den Nachteil, dass man sich schnell verloren fühlt, zwischen all den Punkten.

Und genau das wird das eigentliche Problem sein, was viele stört und der Stein des Anstoßes ist. Im Rahmen dieser Umstrukturierung will Zuckerberg es denn auch gleich ermöglichen, Facebook Apps abzuschalten. Also solche, die bereits abonniert sind und die mehr oder weniger auf Wunsch des Users regelmäßig an die eigene Pinnwand posten bzw. sich immer selbstständig ausführen.

Und genau hier könnte es wirklich interessant und genau hier zeigt sich dann auch, wie ernst es denn Facebook meint. Denn ganz egal ob Facebook nun die Benutzerdaten weiterverkauft oder sehr restriktiv damit umgeht, bleibt die Frage, was die Ersteller von Facebooks Apps mit den Daten machen bzw. ob und welche sie erhalten.

So kann Facebook Daten schützen wie sie wollen, es wird nichts bringen, solange Apps genau dieses Vorhaben unterminieren.

Insofern stellen sich also immer noch recht viele Fragen, inwiefern es wohl mit Facebook weitergeht bzw. wie ernst es Facebook mit dem Datenschutz ist. Denn die Worte die da Mark Zuckerberg schreibt klingen ja alle sehr schön und edel, aber man kennt es aus Industrie und Politik wie relativ Worte werden, wenn entsprechende Geldsummen zwischen ethischem, aufrichtigem Verhalten und dem eigenen Bankkonto stehen.
Bei aller Aufregung aber, man denke nur an den 31. Mai der “Quit Facebook Day”, seitens der User, müssen sich selbige die Frage gefallen lassen, ob sie wirklich so gutgläubig sind und denken, es gebe da ein Unternehmen mit 400 Mio. Mitgliedern, welche eine entsprechende IT – Infrastruktur fordern, welches aus reiner Nächstenliebe diesen Service anbietet, ohne finanzielle Absichten im Hinterkopf. Und auch das soziale Netzwerke nicht grade für ihren Datenschutz bekannt sind, sollte einigen mittlerweile klar sein. Genauso wie klar sein sollte, dass die Privatsphäre – Einstellungen standardmäßig eher lax gesetzt sind.

Und so wird die Gängelung von sozialen Netzwerken das eine sein. Wichtiger aber wird es sein, die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass das, was einmal ins Internet gelangt, so schnell nicht wieder rauskommt. Und mag es auch noch so verführerisch sein, einen tollen Spruch zu landen oder einen Lacher durch ein Foto für sich zu haben, man sollte die Konsequenzen im Auge behalten. Das hat noch nicht mal was mit der bekannten Geschichte des künftigen Arbeitgebers zu tun, der sich seinen Bewerber durch die Netzwerke mal genauer anschaut. Es geht auch um das private Zusammenleben und die möglichen Auswirkungen. Regelmäßige Leser von failbook.com werden wissen, was ich meine. Grade bei Facebook, wo man grundsätzlich Menschen addet, die man kennt und nicht die wirklich Freunde sind, kann dies zu verheerenden Kollateralschäden im eigenen Umfeld führen.