Was wäre das Internet heute ohne Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder den Microblogging-Dienst Twitter? Nach vielen Jahren der Existenz ist es schwer vorstellbar, dass das Internet ohne diese beiden Dienstleister überhaupt existieren könnte. Für Menschen, die auf soziale Netzwerke keinen großen Wert legen, wäre es vielleicht einfacher, sich ein Internet ohne Wikipedia, YouTube oder Suchmaschinen vorzustellen – es wäre einfach etwas ganz anderes.
Die Ausweitung der sozialen Medien
Doch nicht nur das Internet an sich präsentiert sich durch Facebook und Twitter inzwischen insbesondere für junge Menschen in einem komplett anderen Licht. 500 Millionen registrierte Accounts zählt Facebook mittlerweile. Nicht hinter jedem wird ein real existierender Mensch stehen; dennoch zeigt allein diese enorme Anzahl, wie populär das Portal in den letzten Jahren geworden ist. Auch Twitter zählt mehrere Millionen Tweets – das sind die berühmten Kurznachrichten – pro Tag.
Insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch die Mutter aller Massenunterhaltungsgeräte die sozialen Netzwerke für sich entdeckt hat. Das Fernsehen hat sich in diesem Jahrzehnt, in dem das Wort „googeln“ in den Duden aufgenommen wurde, immer mehr in Richtung Internet bewegt. Experten sehen hier in Zukunft eine Verschmelzung der beiden Medien, welche bereits jetzt begonnen hat.
Immer ein wenig schneller
Ein populäres und noch recht aktuelles Thema ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2010, die zwischendurch mit einigen von Zuschauern erstellten Videos bei YouTube garniert wurde. Ein weiteres brisantes Beispiel, dem leider kein freudiges Fest vorausging, war die Loveparade 2010. Bereits wenige Minuten nach dem katastrophalen Ereignis taten fassungslose Teilnehmer ihre Unmut und Trauer im Internet kund. Das ist sehr viel schneller, als Fernsehsender auf ein solches Ereignis reagieren könnten. Bevor diese überhaupt vor Ort waren, konnte man die wirklich wichtigen Nachrichten bereits bei Facebook und Twitter nachlesen.
Das hat zur Folge, dass sich auch die spätere Berichterstattung im Fernsehen auf die sozialen Netzwerke konzentriert hat. Dort wurden immer wieder die Berichte Betroffener zitiert, die vor allem in eingerichteten Gruppen bei Facebook und in kurzen Tweets bei Twitter zu sehen waren.
Die Zukunft
Die USA sind wie so häufig bereits einen Schritt weiter. So verfügt MTV nach einer langen Suche inzwischen über einen sogenannten TJ – einen Twitter Jockey. Diese Stelle, die grob als „Social Media Voice“ umschrieben ist, soll vor allem den jüngeren Zuschauern zusagen und MTV auch bei Twitter zu mehr Popularität verhelfen. Denn ein Konzern ist ein Konzern. Als solcher ist er doch reichlich unpersönlich. Der TJ hingegen verleiht dem Sender auch ein Gesicht, mit dem sich Zuschauer identifizieren können.
Es wird nur eine Frage der Zeit bleiben, bis es ähnliche Maßnahmen auch im deutschen Fernsehen zu sehen gibt. Bereits jetzt nutzen die Sender Facebook und Twitter, um ihre Zuschauer auch auf einer persönlichen Ebene ansprechen zu können. Im Zeitalter der Anonymität des Fernsehens ist das sicherlich ein gern gesehener Umschwung.